Der Dom von Immerath, Niederlegung einer Kirche…

Gebaut für die Ewigkeit 1888 – 2018

Im Zuge der Umsiedlung von Immerath (alt) wurde der „Dom“ von Immerath niedergelegt. Wir waren mit einer Zeitraffer Kamera vor Ort und haben ein kurzes Video online gestellt. Auch zahlreiche Bilder sind aus einer anderen Perspektive entstanden, lesen Sie hier auch den Blog Eintrag.

Wikipedia schreibt:

Die ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche St. Lambertus befand sich im Ortsteil Immerath der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen. Die Kirche war dem Bistum Aachen zugeordnet. Kirchenpatron des 1890 fertiggestellten Sakralbaues war der heilige Lambert von Lüttich. Der Patroziniumstag der Kirche war der 18. September. Seit dem 14. Mai 1985 stand die Kirche als Baudenkmal unter Denkmalschutz,[1]wurde aber trotz Protesten schlussendlich am 8. Januar 2018 zugunsten des Braunkohle-Tagebaues Garzweiler abgerissen.[2][3] Sie war die einzige Kirche im Kreis Heinsberg mit einer Doppelturmfassade. Im Volksmund war das Bauwerk auch als „Immerather Dom“ bekannt.

Wikipedia Artikel



So erlebte ich die Niederlegung des Immerather Doms…

Schon sehr früh geht es für mich am Montag Vormittag (08.10.2018) Richtung Immerath (alt), um die für 09.00 Uhr geplanten Abrissarbeiten am „Dom“ von Immerath mit einer Zeitraffer-Kamera aus dem Sperrbezirk heraus zu filmen. Schon beim Eintreffen ist klar, dass sich der Beginn der Abrissarbeiten aufgrund der Proteste von Greenpeace und anderen Organisationen verzögern wird.

 Proteste unter #ENDCOAL

Für mich als Erkelenzer mit vielen Freunden im Steinkohlenbergbau ist es ein Tag mit gemischten Gefühlen – ich werde freundlich in Empfang genommen und darf als Einziger die Abrissarbeiten aus dieser Perspektive filmen und fotografieren. Vor dem Zaun die Proteste der Bürgerinnen und Bürger, hinter dem Zaun die Polizei, RWE und die beauftragte Baufirma. Es ist die ganze Zeit über sehr ruhig, keine bösen Worte darüber, was denn gerade vor dem Zaun passiert – der Baggerfahrer gibt den beiden jungen Frauen, die sich an seinen Bagger gekettet haben, sogar einen warmen Kaffee. Dieser wird gerne in Empfang genommen. Während die Proteste draußen weitergehen und man auf eine weitere Hundertschaft der Polizei aus dem Ruhrgebiet wartet, sehe ich mich in Ruhe in dem alten Hof um, in dem wir untergebracht sind. Unter der Treppe finde ich zwei Kisten gefüllt mit Büchern „Geschichten im Schatten von St. Lambertus“.

 Bücher für die Mitarbeiter der Baufirma, der Polizei und einige andere.

Der alte Fuhrmanns Hof – oder auch Goebels Hof genannt – wurde alleine für diesen einen Zweck stehen gelassen – als Unterbringung aller Beteiligten der Niederlegung des „Doms“ von Immerath.

Blick durch das alte Fenster – an dem sogar noch die Gardinen hängen – auf den noch existierenden „Dom“.

Phase 1 – Um 14.08 Uhr am Montag ist es dann so weit – der große Bagger setzt sich in Bewegung, die Wasserwerfer werden angeschaltet und der erste Stoß trifft das Gebäude.

Nach wenigen Stunden stehen nur noch die beiden Türme. Ich nutze eine Pause der Arbeiter und stelle meine Kamera um.

Blick von außerhalb auf die Ruine der Kirche

Phase 2 – Es ist Dienstag der 09.01.2018 um 10.08 Uhr, als sich der große Bagger in Richtung der Türme bewegt – mir kommen Gedanken an das „World Trade Center“…

 10.10 Uhr – die ersten Schläge treffen das mit Schiefer gedeckte Dach des Turmes.

Mit erschreckender Geschwindigkeit fällt der Turm in sich zusammen, nur noch Reste ragen aus dem Boden. Ich werfe einen erneuten Blick aus einem der alten Fenster.

Mir fehlen die Worte, während andere Ihren Job erledigen. Das muss wohl so sein…

Phase 3 – 12.59 Uhr ein letztes mal zieht die Sonne über den „Dom“, ein letztes Spiel der Wolken. Stück für Stück verschwindet das, was Generationen zuvor aufgebaut haben. Es wird ruhig in Immerath, noch wenige Schaulustige, die Polizei ist bereits zu großen Teilen abgerückt. Stille! Etwa gegen 14.15 Uhr ist ein weiteres Stück Heimat verschwunden. Ich blicke erneut durch das Fenster.

Eine ewige Ruhe finde ich bei Gott; geduldig begebe ich mich in seine Hand. Nichts kann mir mehr schaden. Psalm 62,2

Ein letztes Bild, bevor auch dieser Hof sein Ende findet. Ich packe meine Kamera und gehe, man sagt sich auf Wiedersehen…

Das Teilen des Beitrages ist erlaubt, jedoch bitten wir um Verlinkung zu genau diesem Blog. Bilder werden nur für Umweltorganisationen, Heimatvereine und andere Projekte freigegeben. die ohne kommerzielle Absichten handeln. Anfragen bitte über presse@euregio-geocaching.org

Abonnieren Sie uns bei Youtube, um keine der geplanten neuen Beiträge über Bergbau & Geocaching sowie Umsiedlung & Lostplaces zu verpassen. Auch unsere Bildergalerie kann kostenlos abonniert werden.

Bilderstrecke unter: https://goo.gl/EmRJUn

Stefan Grates im Januar 2018 

 

2 Gedanken zu „Der Dom von Immerath, Niederlegung einer Kirche…“

  1. Danke herzlich für den schönen kleinen Film und die Photos. Man sieht St. Lambertus leise weinen, als die Bagger ihre Hälse recken. Es ist als ob die Glocken in Erinnerung festlich läuten, sie hören vielleicht niemals auf , sie hämmern ihre Schläge hinein in die Schuldigen, die das wunderschöne Bauwerk preisgegeben haben. Die Türme scheinen sich zu winden, bevor sie den wütenden Krallen zum Opfer fallen . Wie kann man so etwas verantworten? Dies ist ein herzzerreissendes Zeugnis für den Verrat der Kirche an ihren Gläubigen, die die Kirche zur Ehre Gottes erbaut und genutzt hatten. Ein Zeugnis des Glaubens wurde wissentlich an seine Mörder verkauft . Für mich selbst als Fremde unfassbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.